Der französische Soziologe Bruno Latour ist 75-jährig gestorben. Er galt zeitweise als meistzitierter Philosoph der akademischen Welt.
Mit der «General Assembly» versuchten mein Team und ich, sein «Parlament der Dinge» 2017 in die Realität zu übersetzen: Abgeordnete der Bienen, der Ozeane, des Klimas, der Waffen- und Autoindustrie debattierten mit Diplomaten, Politikern, Aktivisten. «Nach hundert Jahren Sozialismus, der sich auf die Umverteilung der Gewinne der Wirtschaft beschränkte, ist es an der Zeit, einen Sozialismus zu erfinden, der die Produktion als solche in Frage stellt», schrieb Latour während dem Lockdown. Schon in seinem Erstling «Labor Life» (1979) bezeichnete er die Beschränkung der Soziologie auf menschliche Akteure als «moderne Selbsttäuschung». Lektionen aus dem Lockdown») erklärt er Gregor Samsa – Kafkas Figur, die in einen Käfer verwandelt wird – zum Helden unserer Zeit: Der Anti-Elon-Musk, der finale Erdling, eingeschlossen im Lokalen, gezwungen, mit seiner Kreatürlichkeit fertig zu werden. In seiner in den 1970er- und 1980er-Jahren entwickelten «Soziologie der Assoziationen» verflüchtige sich der zentrale Gegenstand seiner Disziplin (die menschliche Gesellschaft) nicht nur in Foucaultsche «Diskurse», sondern wurde gleich ganz zugunsten von Objekt-Subjekt-«Assemblagen» aufgegeben. Verglichen mit Latours wissenssoziologischen Klassikern – nach «Labor Life» sollte er noch zu vielen weiteren Forschungseinrichtungen, Krankheiten und technisch-zivilisatorischen Grosskomplexen schreiben - wirkt die heutige Institutionskritik oft ideologisch: alles nur Macht, alles nur Konstruktion! Das Ozonloch, eine Bodenschwelle, eine Kuh, ein Schlüsselanhänger oder ein Kühlschrank wurden in seinen wissenssoziologischen Schriften zu gleichberechtigten sozialen «Aktanten». Auf einen Schlag pulverisiert Latour das, was spätere Theoretiker «Herrschaftswissen» nennen werden. Was bleibt von Bruno Latour, der – unseren Planeten in all seiner Komplexität beschreibend – selbst einen Planeten an Wissen, Querverweisen, Ideen geschaffen hat? «Der berühmteste und der am wenigsten verstandene französische Philosoph», so nannte ihn einmal der «New Yorker». «Ich betrachte mich als Philosophen, auch wenn es die Philosophen nicht tun», sagte mir Latour einmal ironisch. Latour hat dem Milchsäurebakterium genauso seine Aufmerksamkeit geschenkt wie einer neuen Metrolinie, der Corona-Epidemie genauso wie der oft verspotteten Gaia-Hypothese, der Flüchtlingspolitik genauso wie Kafka.
Der französische Soziologe und Philosoph Bruno Latour ist am 9. Oktober im Alter von 75 Jahren gestorben. Das teilte sein deutscher Verlag Suhrkamp mit.
Oktober ist außerdem der Titel „Zur Entstehung einer ökologischen Klasse“ angekündigt. Zu seinen bedeutendsten Studien zählt „Aramis oder die Liebe zur Technik“ – darin zeigt er, wie soziale Aspekte am Aufstieg und Fall von Innovationen mitwirken. Bruno Latour wurde im Juni 1947 geboren, studierte Philosophie, Anthropologie und Bibelexegese und promovierte an der Universität Tours.
Der französische Philosoph Bruno Latour ist im Alter von 75 Jahren verstorben. Er galt als «einer der grossen Erneuerer der Sozialwissenschaften».
[Umwelt](/news/umwelt) [Natur](/news/natur) [Krieg](/news/krieg) [Umwelt](https://www.nau.ch/news/umwelt) und Gesellschaft und galt als ökologischer Vordenker. Nach ihr schreiben sich [Natur](https://www.nau.ch/news/natur) und Gesellschaft vielmehr in ständig neuen Verbindungen Eigenschaften zu. Sie geht über den Gedanken [sozialer Konstruktion von Wirklichkeit](https://www.nau.ch/news/europa/soziologe-tinder-ist-keine-fleischtheke-66270533) hinaus. Wegen seiner Feldstudien in Gerichten oder Labors, deren Ergebnisse er in umfassende Denkmodelle einordnete, bezeichnete sich Latour als «empirischen Philosophen». Der 1947 im zentralfranzösischen Beaune geborene Latour beschäftigte sich in seinen Werken mit der wissenschaftlichen Arbeit.
Er galt als «einer der großen Erneuerer der Sozialwissenschaften». Der französische Philosoph Bruno Latour ist im Alter von 75 Jahren verstorben.
Der 1947 im zentralfranzösischen Beaune geborene Latour beschäftigte sich in seinen Werken mit der wissenschaftlichen Arbeit und damit, wie Gewissheiten entstehen. Er war Professor an der Elitehochschule Sciences Po in Paris. Der französische Philosoph und Soziologe Bruno Latour ist tot.
Mit seinen Büchern „Das Parlament der Dinge“ und „Wir sind nie modern gewesen“ schrieb er soziologische Klassiker. Nun ist Bruno Latour mit 75 Jahren ...
Selbst der einfachen Formel von der sozialen Konstruktion der Dinge und Verhältnisse, die heute etwa auf unerbittliche Weise auf die Definition dessen einwirkt, was Geschlecht ist und sein sollte, ist Latour mit Skepsis begegnet. Die Kernidee dieses von Latour stets sehr assoziativ vorangetriebenen Denkens besteht darin, dass die Beziehung der Gesellschaft zur Welt netzwerkartig verfasst ist und sich aus verschiedenen Elementen zusammensetzt. Wie die Dinge die Menschen beeinflussen und auf ihre Beziehungen zurückwirken, hat kaum jemand derart intensiv durchdrungen wie der französische Soziologe und Philosoph Bruno Latour.
Der französische Soziologe Bruno Latour ist 75-jährig gestorben. Er galt zeitweise als meistzitierter Philosoph der akademischen Welt.
Mit der «General Assembly» versuchten mein Team und ich, sein «Parlament der Dinge» 2017 in die Realität zu übersetzen: Abgeordnete der Bienen, der Ozeane, des Klimas, der Waffen- und Autoindustrie debattierten mit Diplomaten, Politikern, Aktivisten. Man muss den Klimawandel nicht leugnen, um weiterhin ein «abstraktes» (Latour)-Leben zu führen, das in keiner Weise der kommenden Katastrophe entspricht. «Nach hundert Jahren Sozialismus, der sich auf die Umverteilung der Gewinne der Wirtschaft beschränkte, ist es an der Zeit, einen Sozialismus zu erfinden, der die Produktion als solche in Frage stellt», schrieb Latour während dem Lockdown. Schon in seinem Erstling «Labor Life» (1979) bezeichnete er die Beschränkung der Soziologie auf menschliche Akteure als «moderne Selbsttäuschung». In seiner in den 1970er- und 1980er-Jahren entwickelten «Soziologie der Assoziationen» verflüchtige sich der zentrale Gegenstand seiner Disziplin (die menschliche Gesellschaft) nicht nur in Foucaultsche «Diskurse», sondern wurde gleich ganz zugunsten von Objekt-Subjekt-«Assemblagen» aufgegeben. Die Herrschaftskritik wurde zur Waffe der Herrschenden – und richtete sich gegen den Planeten insgesamt. Die Postmoderne – und Latour selbst – hat uns mit der Idee der Relativität aller Wahrheit eine gefährliche Erbschaft hinterlassen. Wenn wir nicht in ein anderes gemeinsames Haus ziehen, werden wir die anderen Kulturen, die wir nicht mehr beherrschen können, nicht darin unterbringen.» In einer Welt, in der es Pop-Philosophen auf der einen und eine verschlossene akademische Welt auf der anderen Seite gibt, war Bruno Latour eine Ausnahme: Er war beides zugleich, öffentlicher Intellektueller und Fachgelehrter. Das Ozonloch, eine Bodenschwelle, eine Kuh, ein Schlüsselanhänger oder ein Kühlschrank wurden in seinen wissenssoziologischen Schriften zu gleichberechtigten sozialen «Aktanten». Neben Judith Butler gab es in den letzten 40 Jahren keinen Philosophen, dessen Werk so tief auf die kollektive Vorstellung dessen einwirkte, was der Mensch, was die Welt und was Wissen ist – und wie alles miteinander zusammenhängt. «Der berühmteste und der am wenigsten verstandene französische Philosoph», so nannte ihn einmal der «New Yorker».
Soziologe, Philosoph, Kurator, manchmal auch Künstler: Bruno Latour, der die Welt neu zu verstehen versuchte, hat sich zwischen den Disziplinen bewegt.
Der Soziologe Bruno Latour wird auch nach seinem Tod Spuren hinterlassen – etwa als Leitfigur der Klimabewegung.
Er fand, die Natur und die Gesellschaft seien untrennbar miteinander verbunden. Wir leben nicht einfach auf der Erde im Universum, sondern in der kritischen Zone, wie er sagte. Er hatte diese These in den frühen Schriften der 70er- und 80er-Jahre aufgestellt. Er sagte, der Mensch sei nicht souverän, sondern zutiefst abhängig. Zudem war er nicht nur Soziologe und Philosoph, sondern ein öffentlicher Intellektueller. Und diese Natur, die seien wir im Begriff zu zerstören und auszubeuten.